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Förderverein historische Mühlen Jüterbog e.V.

Hier ein Artikel aus der Mitteldeutschen Zeitung:

 

Mercedes» gewinnt Fahrtwind

 
VORHABEN
 
VON JANINE SCHARF, 08.06.10, 20:20h, aktualisiert 08.06.10, 21:28h
 

KÖSELITZ/MZ. Die Sonne scheint über dem Getreidefeld am Ortsrand von Köselitz. "Als ich das letzte Mal hier war, war es noch kalt und grau", erzählt Ina Hänsch. Der Weg hierher auf das Feld ist für sie und ihre drei Begleiter nicht gerade der kürzeste. Eigentlich wohnt das Quartett in Jüterbog, doch ein ehrgeiziges Ziel hat sie in die Coswiger Ortschaft gebracht. Neben Ina Hänsch gehören ihr Mann Paul, Ralf Gausche und Bernd Ziegener zum "Förderverein Historische Mühlen Jüterbog", und deren Mitglieder treibt es aus einem bestimmten Grund immer wieder in das kleine Dorf. Hier steht eine alte, fast zerfallene Bockwindmühle, die der Verein gern abtransportieren und in seiner Heimat wieder aufbauen möchte. "Wir wohnen in einem Ort mit einer 1 000-jährigen Geschichte. Beim Fest dazu haben wir viel Handwerk gezeigt aber keine mittelalterliche Ernährung. Mühlen gibt es bei uns eben kaum noch", bedauert Gausche.

Deshalb haben sich die Mühlenbegeisterten zusammengefunden, um den mittelalterlichen Mühlenbetrieb wieder in Aktion zeigen zu können. Durch Experten für Mühlenkunde stießen sie dann auf die Bockwindmühle in Köselitz. Ein Glücksfall für die zwölf Mitglieder des Vereins: "Es gibt noch so viele Elemente, die man weiter nutzen kann", erklärt Frau Hänsch, die selbst gelernte Müllerin ist. Ihr Mann ist Müller in sechster Generation und schwärmt ebenfalls von dem guten Stück. "Jede Region hat eigentlich ihre eigene Art, Mühlen zu bauen", sagt er. "Deshalb sind wir froh, dass wir hier eine flämingtypische Windmühle haben, die es einst bei uns auch mal gab", ergänzt die Müllermeisterin.

Nach Gesprächen mit dem Ortsbürgermeister von Köselitz, Axel Rosenau (parteilos), entstand der Kontakt zum eigentlichen Besitzer der Mühle. Otto Beuter schenkte dem Verein aus Jüterbog schließlich das gute alte Stück. Viele Jahre steht die Mühle schon unberührt in der Landschaft, kaum gestört vom jährlichen Betrieb auf dem Feld. Im Jahr 1952 soll sie das letzte Mal in Betrieb gewesen sein. Und das nächste Mal? Eventuell schon bald, denn den Jüterbogern ist es wichtig, die Mühle in ihrem Ursprung wieder aufzubauen. Viele Teile könnte man dafür nach der Umsetzung verwenden. Hammer, Querbalken, Kammrad und die Routenwellen seien gut erhalten. "Das hier ist eigentlich ein Mercedes unter den Mühlen", meint Frau Hänsch. "Hier wurde mit gutem Material aus Eichenholz gearbeitet, und das ist beständig", sagt sie. "Trotzdem haben wir keine Zeit zu verlieren. Besser wird das Material vom Rumstehen nicht", wirft Gausche, einer Mühlenbauerfamilie entstammend, in das Gespräch ein.

Doch bislang scheitert das Projekt der Umsetzung an der Finanzierung. Für den Abtransport und den Wiederaufbau sind 360 000 Euro nötig. Bis sie wieder funktionstüchtig sein kann, könnte sich der Betrag auf 500 000 Euro erhöhen. "Das große Problem ist unsere Anfangsfinanzierung von 60 000 Euro", sagt Paul Hänsch. Die Stadt Jüterbog wirke mittlerweile sehr unterstützend, und auch Geld aus dem EU-Förderprogramm "Leader" könnte der Verein beantragen. Ein Grundstück sei schon gefunden, nur die Eigentumsrechte müssten von der Stadt noch geklärt werden, meint Gausche.

In Köselitz dagegen beäugt man die Pläne des Vereins genau. "Natürlich gibt es im Ort Kritik an der Umsetzung der Bockwindmühle, aber hier hat sich eben keiner gefunden, der sich darum kümmert", berichtet der Ortsbürgermeister. Er unterstützt das Vorhaben der Jüterboger. Die könnten sich im Herbst, wenn das Feld nicht mehr bestellt wird, ein Erntedankfest an der Mühle vorstellen. "Dann können wir anfangen, ein bisschen Geld einzunehmen und unser Vorhaben auch den Leuten hier erklären", sagt Ina Hänsch. Sie hofft, dass das dann einer der letzten Besuche in Köselitz sein könnte, schließlich wollen die vier Mühlenbegeisterten bald einen nicht mehr so weiten Weg zu ihrer Bockwindmühle zurücklegen.

Sponsoren und Interessierte können sich bei Familie Hänsch und dem Fördereverein aus Jüterbog per Mail unter ina-corinna@web.de melden.

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